Surfin' Schleswig-Holstein Teil 4 (Auszug)

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Bromosel
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Surfin' Schleswig-Holstein Teil 4 (Auszug)

Beitrag von Bromosel » Mi 1. Nov 2017, 21:20

Surfin' Schleswig-Holstein
Grillabend (Auszug)

© 2010 Bromosel

Hinter sich hörte er ein Kichern wie von kleinen Mädchen. Als er sich umdrehte, sah er Jette und Meike, die sich extra schick gemacht hatten und sich nun eingehakt näherten. Jette trug ein kurzes, weißes Sommerkleid mit zarten Blumenmustern darauf. Meike hingegen trug Hotpants und eine weiße Bluse, die sie oberhalb des Bauchnabels verknotet hatte.

Jan hatte das Gefühl, als fielen ihm die Augen aus dem Kopf. „Wow“, konnte er nur flüstern.

„Gefallen wir dir?“, fragte Meike grinsend.
„Das sieht man doch an seinem einfältigen Gesichtsausdruck“, meinte Jette und kicherte wieder.

Meike gab ihr einen kleinen Stoß in die Rippen. „Sei nicht so frech“, wies sie ihre Freundin zurecht. „Immerhin hat er uns das Surfen beigebracht.“
„Stimmt“, erwiderte Jette und wandte sich an Jan. „Danke“, hauchte sie, klimperte mit den Wimpern und setzte sich auf ihren Platz.

Jan fand seine Stimme wieder. „Nur die Grundzüge. Ihr müsst weiter üben, sonst bringt das nichts.“
„Ich möchte mich auch bedanken – für deine Geduld und deinen Sachverstand“, meinte Meike und küsste ihn zart auf die Wange.

Ein heißer Schauer schoss durch Jan. Die Stelle, an der ihre Lippen ihn berührt hatten, schien zu brennen. Er räusperte sich verlegen und wandte sich wieder dem Grill zu.

„Guck mal, er glüht ja wie die Kohlen“, verkündete Jette kichernd.

Ihre Art ging ihm mehr und mehr auf die Nerven. Er konnte sich des Eindrucks nicht erwehren, dass sie noch immer nicht aus der Pubertät herausgekommen war. Bevor er jedoch einen entsprechenden Kommentar loswerden konnte, hörte er sich nähernde Schritte.

Michael brach durchs Gebüsch und grüßte mit seinem gewinnenden Lächeln in die Runde. „Hi“, meinte er und schwenkte einen Korb, „ich habe etwas mitgebracht.“

Wie sich herausstellte, hatte Michael auch an die Verpflegungslage gedacht und Steaks und Würstchen mitgebracht. Michael machte den Vorschlag, das Fleisch wieder bei seiner Großmutter in den Kühlschrank zu legen und am nächsten Tag noch einmal zu grillen. Alle stimmten zu, bot es doch die Möglichkeit, eine Auszeit von den recht eintönigen Tütensuppen zu nehmen.

Außerdem lagen noch zwei Flaschen Weißwein im Korb. Nach Jettes Wein hatte Jan zwar für den Rest des Urlaubs auf Alkohol verzichten wollen, doch diesmal schien es sich um bessere Tropfen zu handeln. Bier wäre ihm beim Grillen zwar lieber gewesen, aber einem geschenkten Gaul ... Das Einmachglas mit Schraubdeckel, das Michael ebenfalls mitgebracht hatte, weckte Jans Neugier. Eine goldbraune Flüssigkeit, in der eine Menge Rosinen schwammen. Fragend schaute er Michael an.

„Eine Spende meiner Granny: Sienbohnsupp. Sie setzt das Zeug selbst an. Soll angeblich ein altes Familienrezept sein. In Weinbrand eingelegte Rosinen mit ordentlich Zucker“, erklärte der junge Mann und lachte.

Jan öffnete den Deckel und schnupperte, zog seine Nase aber schnell wieder fort. Das brannte regelrecht.

Auch die beiden Frauen schnupperten kurz. „Da wird man ja allein vom Riechen betrunken“, sagte Meike und grinste.

Bald waren die ersten Stücke fertig, und während alle aßen, legte Jan die nächste Lage auf den Grill. Nebenher tranken sie den wirklich leckeren Wein. Jan hielt sich wohlweislich zurück, und auch Michael pflegte den kleinen Genuss. Jette trank dafür umso mehr und war nach einiger Zeit leicht beschwipst. Auch von der Sienbohnsupp probierte sie ein paar Löffelchen, während die anderen ihre Finger davon ließen.

Sie erzählten einander Anekdoten, wobei Michael ziemlich weit herumgekommen zu sein schien. Außerdem konnte er auch surfen, fuhr sogar bei Wettbewerben mit. Er war wirklich nett, wie Jan mittlerweile zugeben musste. Seine Bedenken hatten sich in Luft aufgelöst. Jette drängte sich immer dichter an Michael heran, und je mehr sie trank, desto mutiger schien sie zu werden.

„Du hast aber Muskeln“, sagte sie und umfasste die durchtrainierten Oberarme. Sie kicherte albern.
„Oh, danke.“ Man merkte Michael an, dass ihm die Situation ein wenig peinlich war. Dennoch lächelte er.
„Mann, Jette, halt’ dich doch mal ein wenig zurück“, versuchte Meike sie ein wenig auf den Boden zurückzuholen.
„Lass mich doch!“, erwiderte Jette trotzig. „Du hast doch Jan.“ Sie schaute ihn an und kicherte wieder. „Im Vergleich zu Michael sieht er ein wenig de-tailliert aus“, fügte sie hinzu und zeichnete mit beiden Zeigefingern einen Kreis in die Luft. Überwältigt von ihrem eigenen Witz fiel sie gackernd nach hinten.

Das hatte Jan hart getroffen. Dass er nicht mit Michael mithalten konnte, war ihm von Anfang an klar gewesen. Er hatte es aber auch nie vorgehabt. Doch dass er jetzt Ziel des Spottes wurde, war zu viel. Missmutig starrte er in das Lagerfeuer.

„Du hast genug gehabt“, stellte Meike trocken fest und versuchte, Jette das Glas abzunehmen.

Die war jedoch schneller und entzog ihr das Trinkgefäß. „Du has’ gar nich’s zu bestimmen“, entgegnete Jette, und ihrer Stimme merkte man an, dass sie schon deutlich zu viel getrunken hatte. „Du spiels’ dich immer als Moralapossel auf, Meike Sternhagen. Liegt das vielleicht an der Maddematick, dassu so komisch drauf bis’? Dir fehlt doch’n Gen, wenn du freiwillich Madde studiers’.“ Wieder kicherte sie.

Mit einem leisen Seufzer erhob sich Michael und schaute auf die Uhr. „Es ist schon spät“, meinte er. „Ich sollte gehen.“
„Geh nich’“, säuselte Jette und versuchte, sich an seinem Bein festzuhalten. „Bleib bei mir.“

Sanft, aber bestimmt befreite sich Michael aus der Umklammerung. „Sorry, aber ich leide noch unter dem Jet Lag. Außerdem möchte ich meine Granny nicht so lange alleine lassen.“ Er griff seinen Korb und ging los.

Meike warf Jette böse Blicke zu, dann begleitete sie Michael bis zur Straße. Jan konnte hören, dass die beiden miteinander sprachen.

„Och, nu isser wech, mein Held.“ Der Alkohol schlug bei Jette immer stärker an. „Jetz sin’ nur noch wir ßwei übrich“, sagte sie und drehte sich zu Jan.


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